„Das ist nur eine Teiletappe“

Der Mentaltrainer Holger Fischer spricht über den Höhenflug seines Schützlings Andrea Petkovic bei den Australian Open.
Holger Fischer (48) aus Balingen arbeitet mit vielen bekannten Sportlern zusammen. Dazu gehören Fußball-Nationalspieler genauso wie Andrea Petkovic, die jetzt bei den Australian Open im Tennis das Viertelfinale erreicht hat.

Herr Fischer, haben Sie keine Angst, dass Sie demnächst arbeitsloswerden könnten?
Warum sollte mir das passieren?

Weil Andrea Petkovic Ihre Hilfe vielleicht nicht mehr benötigt, wenn sie weiter so gut Tennis spielt wie bei den Australian Open.
Ich kann Sie beruhigen. Erstens arbeite ich auch noch mit anderen Personen zusammen, nicht nur aus dem Sport. Und zweitens ist der Weg von Andrea noch lange nicht zu Ende. Das weiß ich, da wir uns seit zweieinhalb Jahren kennen. Als sie zu mir kam, hatte sie einen Kreuzbandriss erlitten und stand auf Platz 570 der Weltrangliste.

Was haben Sie dann mit ihr gemacht?
Ich beschäftige mich grundsätzlich immer mit der Entwicklung der jeweiligen Persönlichkeit. Dazu zählt, dass man es lernt, mit den Mechanismen des Geschäfts umzugehen und alles Belastende auszublenden.

Nach Melbourne gehört Andrea Petkovic zu den ersten 50 der Welt. Haben Sie ihr schon zum Einzug ins Viertelfinale gratuliert?
Ich freue mich sehr für sie. Wir sind immer im Gespräch, auch in diesen Tagen.

Was sagen Sie ihr da?
Was wir konkret besprechen, bleibt natürlich unter uns. Aber allgemein ist es so, dass auch Australien nur eine Teiletappe ihrer Karriere darstellt. Das ist nichts anderes als ein Turnier in Eastbourne oder Auckland. Sie hat schon viele Spiele bestritten – und sie wird noch viele bestreiten.

Indem Sie ihr diese Einstellung vermitteln, versuchen Sie, den Druck von ihr zu nehmen?
Ja, da ist was dran.

Dabei erreichte Petkovic erstmals das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers.
Ich würde das trotzdem tieferhängen und fragen, wie sie dahin gekommen ist.

Wie lautet die Antwort?
Australien ist eine Momentaufnahme. Wichtiger für die Entwicklung eines Sportlers ist, wie man mit Rückschlägen umgeht. Davon musste Andrea ja einige verkraften – und sie ist gestärkt daraus hervorgegangen.

Geht sie auch so entspannt wie Sie mit der Situation in Melbourne um – oder welchen Eindruck macht sie zurzeit auf Sie?
Einen ganz normalen. Der Hype kommt ja von außen. Sie spielt gerne Tennis – unabhängig davon, ob sie jetzt im Viertelfinale scheitert oder die Australian Open gewinnt.

Trauen Sie ihr das zu?
Ich traue ihr viel zu. Aber selbst wenn sie nun verlieren sollte, würde die Welt nicht untergehen. Sie kann in Zukunft noch viele Turniere gewinnen, wenn sie so bleibt, wie sie ist, und wenn sie es schafft, ihre Fähigkeiten an der richtigen Stelle einzusetzen.