Die Gabe des Holger Fischer

Sportler schwören auf den Balinger

Ob verletzte Fußball-, Eishockey- oder Tennisspieler: Immer mehr Profis finden ihren Weg zu Holger Fischer in Balingen. Was der macht, ist schwer erklärbar. Doch die Sportler schwören auf ihn.

Ein Schreibtisch, komfortable Stühle, eine Massagebank und ein Fitnessgerät - viel mehr benötigt Holger Fischer nicht im Arbeitsbereich seiner Villa in Balingen. An der Wand hängen Zeugnisse seines Erfolgs, säuberlich hinter Glas gerahmt: Trikots von Fußballprofis wie Bayern-Spieler Andreas Görlitz, damals noch beim KSC oder von Alexander Jung, ehemaliger Eishockey-Nationaltorwart. Beschriftet sind sie mit Dankesworten der Profis an Fischer für dessen Hilfe.

Mentaltrainer, Wunderheiler oder auch mal Scharlatan - der 47-Jährige ist schon mit vielen Begriffen bedacht worden. Er selbst sagt: "Für das, was ich mache, gibt es keine Berufsbezeichnung, da kreiere ich auch keine. Mein Beruf ist: Holger Fischer sein."

Fußballspieler aller Bundesligaklubs kamen oder kommen zu ihm, um nach einer Verletzung schneller wieder fit zu werden oder aus einem Formtief zu finden. "Da gibt es keine weißen Flecken mehr." Die Klientel ist mittlerweile international. "Auch aus dem Ausland kommen immer mehr Sportler."

Was Fischer genau macht, ist rational schwer zu begreifen. Doch der Erfolg gibt ihm Recht. "Den Begriff Wunderheiler lehne ich aber ab. Denn es ist ja kein Wunder, sondern nur von der Schulmedizin nicht erklärbar." Ein Muskelfaserriss etwa sei im Schnitt um 50 Prozent schneller geheilt, wenn er mitwirke, als es sonst dauert. "Das ist belegbar: Bei den Profis gibt es bei solchen Verletzungen ein Vorher-Bild und ein Nachher-Bild."

Sein Ziel sei es immer, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. "Ich will ganzheitlich mit den Menschen arbeiten." Eine Verletzung sei nur ein körperliches Symptom dafür, dass das System aus dem Gleichgewicht ist. Die Verletzung selbst müsse natürlich ein Arzt behandeln. Er dagegen habe die Gabe, die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen und damit den Genesungsprozess zu beschleunigen, sagt Fischer. "Der Mensch besitzt ein übergeordnetes Heilsystem, das fähig ist, Brücken zu bauen."

Das verspürte auch Fußballprofi Mike Hanke: "Die Mittel der Schulmedizin waren bei meiner hartnäckigen Entzündung der Patellasehne ausgereizt. Schon nach kurzer Zeit der Zusammenarbeit mit Holger Fischer war die Entzündung verschwunden." Im Blick hat Fischer aber immer die Eigenverantwortlichkeit der Leute: "Die kriegen von mir das Werkzeug, bauen müssen sie selber."

So mancher Schulmediziner verfolgt seine Arbeit skeptisch. "Gerade im Bereich Sport denken viele, ich nehme ihnen was weg. Das ist Unfug." Andere wiederum sind aufgeschlossen: "Holger Fischer hat eine Gabe. Die kann man nicht weitergeben - nur nutzen", sagt Professor Jörg Jerosch, Orthopäde und Unfallchirurg.

Fischer ist schon seit seiner Schulzeit im Sportbereich tätig. Nach Abitur in Böblingen hat er als Tennistrainer angefangen, übernahm mit 24 Jahren den TC Metzingen, neun Jahre später ging er nach Balingen. Beide Vereine feierten unter ihm ihre sportlich erfolgreichste Zeit. In Balingen lernte er Handballtrainer Sergej Budanow kennen - ein wichtiger Wegpunkt. Bei ihm lernte er, an der Entwicklung der Persönlichkeiten von Menschen zu arbeiten.

Im Fußball begleitete er Spieler von der Regionalliga über die Bundesliga bis in die Nationalmannschaft, arbeitete als Mentaltrainer mit Alemannia Aachen und dem VfL Wolfsburg. Nach dem Schlussstrich beim VfL, der mit der Entlassung von Thomas Strunz als Sportdirektor im Jahr 2005 folgte, habe er "gemerkt, was ich nicht will: Mit kompletten Mannschaften zu arbeiten."

Das funktioniere nicht. Seitdem habe er auf seine jetzige Arbeitsweise umgestellt. Komplette Trainingsbegleitung macht er nur noch in Ausnahmefällen, etwa bei der Tennisspielerin Andrea Petkovic. "Da will ich sehen, was geht", meint er. Petkovic selbst sagt über die Zusammenarbeit: "Das erste Mal saß ich bei Holger Fischer mit einem Kreuzbandriss und als Nummer 570 der Damenweltrangliste. Das letzte Mal gesund und als Nummer 52. Und der Weg ist noch nicht zu Ende gegangen."

zurück...