Mentaltrainer: Heilende Hände oder Placebo?

20. JANUAR 2010
Mentaltrainer: Heilende Hände oder Placebo?
Erschienen in: Westfälische Nachrichten

Münster - Lässt sich Holger Fischer auf einen Begriff reduzieren? Die Sportpresse hat es versucht und ihm die Namen „Mentalcoach“ und „Selbstheilungsmanager“ verliehen. In den bunten Blättern wurde der 47-Jährige Wunderheiler, Promi-Flüsterer und - in Anspielung auf seine glattrasierte Kopfhaut - Psycho-Glatze genannt. 13 verschiedene Bezeichnungen für sich und seine Arbeit hat Holger Fischer lesen müssen, keine hat den Kern getroffen. Aber was macht er denn nun, dieser Holger Fischer, der angeblich anderen Menschen in die Seele blicken kann und der dafür gesorgt haben soll, dass Profi-Fußballer wie Jan Schlaudraff von Hannover 96 ihre schweren Verletzungen innerhalb kürzester Zeit wieder auskuriert hatten? Holger Fischer hat eine verblüffende Antwort: „Holger Fischer. Wenn ich ich bin, dann funktioniert es.“ Das muss man erst einmal sacken lassen.

Kein Anflug von Überheblichkeit, kein Selbstzweifel huscht über sein Gesicht, als Holger Fischer diese Worte ausspricht. Der großgewachsene Mann aus dem Südwesten Deutschlands, der gestern in Münster sein Erstlingsbuch „Selbst ist der beste Coach“ - alleine dieser Titel ist schon Programm - in Kinderhaus vorstellte, wirkt im Gespräch bescheiden, zurückhaltend. Mit ruhiger Stimme erzählt Holger Fischer davon, dass er Menschen hilft. Menschen, die in einer Krise stecken, Menschen, die krank sind und Schmerzen haben, Menschen, die ihrem Leben einen neuen Impuls geben wollen.

Und wie hilft er diesen Menschen? „Ich habe die Gabe, in Menschen reinzuschauen und Selbstheilungsprozesse in Gang zu setzen“, erzählt Holger Fischer ganz ohne Pathos. Genauer kann er seine Vorgehensweise nicht erklären. Vielleicht nur das, mit einem kleinen Seitenhieb auf die Schulmedizin: „Ich habe einen anderen Blickwinkel als Ärzte. Die haben gelernt, auf Symptome zu reagieren. Die ganze Medizin ist problemorientiert. Mein Ansatz dagegen ist lösungsorientiert. Hinter jedem Symptom steckt ein Thema, das sich in Symptomen manifestiert. Ich löse das Thema auf und aktiviere den Selbstheilungsprozess.“ Gespräche - natürlich lösungsorientierte - und die Arbeit mit dem Körper des Klienten helfen dabei. Es bleiben Fragen. Aber genauer lässt sich seine Arbeit kaum erklären. Holger Fischer folgt einem Impuls, sagt er. Es sei halt eine Gabe.

Manch einer hält die Erfolge des 47-Jährigen, der mit 24 Jahren jüngster Vereinstrainer in Metzingen war, den aber die mentale Stärke mehr interessierte als die Verbesserung der Rückhand-Technik, weniger für eine Folge seiner Gabe als vielmehr für einen Placebo-Effekt. Diese Frage lässt sich an diesem Nachmittag kaum beantworten. Viele seiner Klienten aber schwören auf Holger Fischer. So wie Patrick Owomoyela vom Bundesligisten Borussia Dortmund, der auf der Internetseite von Holger Fischer mit den Worten zitiert wird: „Man muss nicht immer für alles eine Erklärung haben, wie und warum etwas funktioniert. Entscheidend ist, dass es funktioniert - und das tut es!“